Beiträge vom November, 2009

SZ., Samstagausgabe, Familienseite

Sonntag, 29. November 2009 20:35

Links eine große Traueranzeige. Das geliebte “Mamale” ist im Alter von fast 90 Jahren verstorben. Rechts daneben:

NOTVERKAUF 10.000 Teppiche, alles 65% reduziert!

Kombiniere, das Mamale war eine Teppichfetischistin. Und die Hinterbliebenen wissen nun nicht wohin mit der geerbten Auslegeware.

Ganz rechts:
Tiefgehende Gespräche!  Individualistin sucht positiv Denkende mit Schwung, Unternehmungslust, Niveau. Zuschriften unter Z… an den Verlag

Darunter:
Anzeige “Herr grüßt Dame”. Meine Antwort an W.: Meine Gedanken sind immer bei dir. Habe keine Adresse, Telefonnummer. Anruf UNBEKANNT. Ich kann nicht reagieren. Jedes Mal ein anderes Auto, auch Oldtimer? Kann dich im Auto nicht erkennen, geht alles viel zu schnell. Diese Ungewissheit zerrt an meinen Nerven.  Ruf mich an und sprich endlich mit mir. Oder schreibe mir. Liebe Grüße V.

Ach, ist das schön! Die Suchanzeige hat sich quasi durch die darüber stehende Annonce  erledigt. Herr V. kann jetzt seine Nerven entzerren, kauft sich eine anständige Weitsichtbrille und  kann danach mit der Individualistin tiefgehende, positive Gespräche in wechselnden, niveauvollen Kraftfahrzeugen führen.
Ende gut, alles gut – seufzte ich erleichtert, aber dann war da noch diese kleine, befremdliche Suchanzeige:

ACHTUNG! Fallschirmjägerarchiv sucht sogen. Knochensack bzw. alles von den Fallschirmjägern. Tel…..

Ein Knochensack wird gesucht – du liebe Güte, ein Sack für Knochen! Für wen?
Für  Frau W., die nicht mehr erreichbar ist? Die mit ihrem Oldtimer gemütlich zum nur eine knappe Autostunde entfernten Fallschirmsprungplatz nach Villingen-Schwenningen fuhr, dort beim Absprung vergaß, die Reißleine zu ziehen?  Mh, weiß nicht so recht…

Der  Knochensack wird doch um Himmelswillen nicht für das  selige -  Mam… gesucht,  das alte Mamale, dessen umfangreiche Auslegeware jetzt kaltblütig verhökert wird ? Nein,  also DAS wäre wirklich das Letzte!
Rezession hin, Rezession her, SO tief werden die sparsamen Schwaben noch nicht gesunken sein – und überhaupt, wo doch gerade die trauliche Adventszeit begonnen hat…

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1. Advent

Samstag, 28. November 2009 22:00

So mancher weise Elch
zieht jetzt ‘nen Flunsch
wenn zu viel Wasser
ist im braunen Punsch

So mancher graue Ganter
erleidet Weh & Ach -
die Gänsefrauen
kalt eingeschweisst
im ALDI-Tiefkühlfach

So mancher
Nordmannstanne
ist’s um den Fuß so bange,
sie wäre lieber Fichte
wie ihre zarte Nichte

So manchem Pfarrer
ist jetzt öbel
der Weihnachtsstress,
die Predigt -
& Frau will neue Möbel

oder so.

Liebe Freunde, entschuldigt, es ging nicht, eigentlich wollte ich ein schönes Wort zum Sonntag…

Egal, habt einen schönen Sonntag, ob mit oder ohne Flunsch, Ganter oder Punsch.

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Freitag, Fußgängerzone

Freitag, 27. November 2009 18:25

Mutter mit hochrotem Kopf zu ihrem quengelnden Söhnchen „Jetzt noch zu Tchibo und danach besuchen wir Tante Ingrid“.

Sohn: „Ich hasse Tante Ingrid!“

Fielmann-Verkäuferin mit gerunzelter Stirn, mühsam ein winziges Schräubchen an einer filigranen Designerbrille nachziehend, genervt zum geduldig wartenden Kunden

„Ich hasse diese Art von Brillen!“

Junges Paar am Bratwurststand. Sie, mit vollen Backen: „ Komm, beiß doch mal ab, die schmeckt ja so was von superlecker!“

Er, sichtlich verdrossen „Ich hasse Rostbratwürste!“

Altes Ehepaar vor Litfaßsäule. Er, mit jungenhafter Begeisterung „Oh, ist das herrlich, ab 17. Dezember gastiert im Sportpark wieder der schöne Weihnachtszirkus!“ Sie, in ihr Taschentuch schniefend

„Zirkus? Ohne mich, ich hasse Zirkus!“

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Dienstag, der 24. November, in vierundzwanzig Tagen ist Heiligabend

Mittwoch, 25. November 2009 8:21

Wieder die  Frage – was wird gegessen? Schon wieder diese Paardiskussion? Ach, was, drauf gepfiffen, dieses Jahr machen wir es anders, keine Verwandten, nur wir beide, ganz gemütlich, keine Gans, keine rohen Klöße, kein Rotkohl, kein Streit wie damals.

Vor vielen Jahren schmiss ich unsere Weihnachtsgans, eine frische Dithmarscher Gans von Feinkost Böhm zornig aus dem Küchenfenster. Dieses Tier bestand hauptsächlich aus störrischen Federkielen. Ich zupfte und zupfte verzweifelt, schließlich übernahm mein Mann diese Arbeit und benutzte dabei meine neue Augenbrauenzange! Ein Wort gab das andere und schließlich landete die  90 Mark teure Dithmarscherin auf dem Gehweg vorm Haus. Ich habe das Geräusch des Aufpralls noch im Ohr, wir wohnten damals in der dritten Etage.

Bei rohen Klößen denke ich augenblicklich an die wundervollen schlesischen Klöße von Käthe. Käthe war die Oma meines Mannes. Eine wundervolle Frau, temperamentvoll, eigensinnig und unglaublich lieb. Erinnre mich an ihr filigranes Strickzeug auf dem alten Sofa, ihre selbstgeschneiderte Garderobe, ihre ungelösten Kreuzworträtsel, ihre defekte Glühbirne im Flur, das Doppelbett, die linke Seite ordentlich abgedeckt mit einer zartroséfarbenen Überdecke von Neckermann. Erinnre mich an ihr Badezimmerchen, ihr blitzblankes winziges Badezimmerchen mit dem kleinen Gasboiler, sehe ihre einzige Tube Creme neben ihrem roten Zahnputzbecher aus Plastik, halbleer, sorgfältig zugeschraubt. Hormocenta mit dem Goldkrönchen.  Höre Oma Käthes Ratschlag „wenn dein Mann keine Lust hat, mit dir am Sonntag spazieren zu gehen , dann musst du ihn zwingen – vom ersten Brotlaib an musst du ihn dazu zwingen“.

Käthe aß unglaublich gerne, sie genoß das Essen – besonders gern speiste sie „auswärts, in einer gepflegten Wirtschaft“. Bei der letzten Konfirmation flüsterte sie mir nach einem sehr üppigen Hauptgang über die Festtafel verschmitzt zu  „Rosaa, also, wenn du dir noch einen grossen Schwarzwälder Eisbecher bestellen tätst, dann würde ich mich glatt anschliessen und auch einen essen, obwohl ich eigentlich schon satt bin“.

Liebe Omi, ich steh immer noch nicht auf Schwarzwälder Eisbecher, ich schliesse mich dir nicht an, ich mag kein kaltes Zeug, ich esse lieber was Warmes. In zehn Tagen kommen meine Freundinnen zu Besuch, ich brat denen keine Extra-Gans, ich mache vielleicht den

Geschirrspüler-Lachs mit Koriandersauce.

2 EL Olivenöl, 4 Lachsfilets, 4 EL Limonensaft, Salz und Pfeffer, Alufolie; 1 EL Butter, 1 Frühlingszwiebel, 1 gehackte Schalotte, 1 feingehackte Chili-Schote, 2 gehackte Knoblauchzehen, 1/4-1/2 Liter Hühnerbrühe, 2 – 3 Bund Koriander, 3 EL Limonensaft, Salz, Pfeffer, 3 EL Sour Cream

Für jeweils zwei Filets ein Stück Alufolie abschneiden. Die glänzende Seite mit dem Öl einreiben, auf jedes Stück zwei Filets legen und die Ränder einschlagen. Über jedes Filet ein EL Limonensaft träufeln, mit Salz und Pfeffer würzen. Die Filets in der Alufolie wasserdicht verpacken und auf die oberste Etage des Geschirrspülers legen. Den Geschirrspüler einschalten (1 kompletter Wasch- und Trockenzyklus), die Alutaschen entnehmen, den Lachs auf Tellern anrichten und mit Koriandersauce servieren.

Für die Sauce Butter auf mittlerer Temperatur schmelzen, Frühlingszwiebel, Schalotte, Chili und Knoblauch etwa fünf Minuten sautieren, die Hitze zurückschalten, Brühe dazufügen, 15 Minuten simmern lassen, bis die Flüssigkeit um die Hälfte reduziert ist. Abkühlen lassen, in einem Mixer mit dem Koriander, dem Limonensaft, Salz und Pfeffer pürieren. Die Sour Cream unterrühren.

Zum Nachtisch biete ich meinen Freundinnen Karamelleis an, vielleicht esse ich auch ein Löffelchen voll – und denk dabei an dich, liebe Käthe.

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Samstagabend, kurz nach 19 Uhr auf RTL

Samstag, 21. November 2009 21:25

Eine attraktive lockige Frau wird  interviewt. Jahrelang litt sie unter zu großen Schamlippen – beim Radfahren, beim Jeanstragen und so weiter.

Zuerst spontanes Mitgefühl. Aber tut es not, dass man die operierte Dame nach der OP betrachten darf bzw. muß? (Ich wollte wegzappen, fand leider die Fernbedienung nicht, ehrlich).

Mit fröhlich getupftem OP-Kittel sitzt sie im Bett, ihr Chirurg doziert, dass man als Schönheitschirurg mindestens 300 bis 400 Labiallippen gesehen haben muß, um beurteilen zu können „was normal ist“.

Danach klappt er die gemusterte Bettdecke hoch, um sich das Ergebnis seines Eingriffs zu betrachten (Kameraschwenk Richtung Fußende). Sachlich befindet er, dass die OP gut gelungen ist und die neuen Schamlippen reizend aussehen.

Ermutigend reicht er der Patientin einen großen, ovalen Handspiegel, damit sich die Frischoperierte nun selbst davon überzeugen kann. Da sitzt sie dann angelehnt in ihren Kissen mit ihrem gepunkteten OP-Kittel, hält sich mutig den ovalen Handspiegel zwischen die Oberschenkel, bekommt glückliche Kinderaugen und strahlt „Das ist für mich das schönste Weihnachtsgeschenk!“

Danach ein Bericht, dass in einer Kölner Klinik der G-Punkt von Kirschkerngröße auf Pflaumengröße aufgespritzt wird, Kosten so um die € 1.000,– , dafür mehr Lustgewinn für ungefähr ein Jahr.

Mh – die Vorstellung, dass nach der Sendung  Millionen RTL-Guckerinnen mit ovalen Handspiegeln bzw. Leselupen kritisch ihre Genitalien betrachten-  hat was. So eine Art Gefühl der Vereinigung wie beim Mauerfall oder so …

Wenn ich mir dann  ausmale,  dass deren Ehemänner dann am Montag um 12.00 Uhr mittags in der Kantine lustlos ihren Müller Kirsch-Joghurt den Kollegen rüberschieben und die dann möglicherweise während des Auslöffelns mitfühlend nachfragen, warum der Kollege so deprimiert dreinschaue und die dann seufzend ihre Hände vor die Augen schlagen und resigniert mit Kloß im Hals murmeln „meine Frau wünscht sich zu Weihnachten was Größeres für € 1.000 und seit letztem Jahr ist ja unser Weihnachtsgeld gestrichen – und die Kollegen dann möglicherweise falsch schlussfolgern, dass die anderen Kollegen in der männlichen Intimzone etwas zu kurz geraten sind und dann hinterhältig mit Pokerface nachhaken, was das Größere denn wäre und die Gepeinigten dann quer durch die Bundesrepublik „ich sag nur – PFLAUME”  flüstern. Und wenn dann die Kollegen mitfühlend den Kopf schütteln und sagen „Meine Frau steht auch auf Kai Pflaume, obwohl der doch glücklich verheiratet ist“.

Das ist so was von bewegend, verbindend – in dieser rauen Zeit.

Nena hat das mal besungen, anlässlich des Mauerfalls, irgendwas Wunderliches. Moment, mir fällt nur „Sind so kleine Hände“ ein. Quatsch, das ist von Bettina Wegner. Das Vereinigungslied hieß ganz anders, Moment,  jetzt hab ich die Melodie glasklar im Ohr

… es gibt so vieles was wir nicht verstehn – Wunder geschehn – ich war dabei – wir dürfen nicht nur an das glauben, was wir sehn – immer weiter, immer weiter geradeaus – nicht verzweifeln, denn da holt dich niemand raus – komm steh selber wieder auf…

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Landsleute im Rheinland

Freitag, 20. November 2009 21:28

Lidl kurz vor Ladenschluß.

Vor dem Kühlregal, rechts neben der Ladenkasse – eine kleine, ältere Dame, (Plateauschuhe, schicker grau-schwarzer Wollmantel ) mit voll beladenem Einkaufswagen.

Steht mitten im Weg, betrachtet angestrengt ihren Einkaufszettel.

Ein alter, hochgewachsener Herr (dunkelbraune, ziemlich abgeschabte  Cordhosen, beiger altmodischer Reißverschlußblouson, Gesundheitsschuhe) nähert sich mit schleppendem Gang, bückt sich mühsam zum untersten Fach des Kühlregals, entnimmt eine Tüte Bio-Milch, verstaut diese gemächlich in seiner Baumwolltragetasche, sieht der kleinen älteren Dame einige Sekunden lang zu, strafft seine alten Schultern, fragt mit überraschend junger Stimme

„Könnet Sie ebbes net lese?“

Kleine, ältere Dame (aufgeschreckt aus ihren Betrachtungen) sieht einen fremden hochgewachsenen Mann,  mit schrecklichen Feuermalen im Gesicht, denkt – “… ach, der Arme, der arme Mann, oh, was  tut mir der leid, hat eine Hautkrankheit, hoffentlich nichts Lebensbedrohliches, ich kontrolliere jetzt mein Gesicht, Mitleid will der sicherlich nicht, der kümmert sich um mich – ich sag jetzt nichts Falsches, ich hab den Einkaufswagen knallevoll und der Arme nur eine Baumwolltasche mit einer Milchtüte – und der fragt mich trotz seins Elends, seiner schrecklichen Feuermale – ob ich noch meinen Einkaufszettel entziffern kann.

Kleine, ältere Dame (betont sanfte Stimmlage)  “Ach, ein Schwabe!”

Alter, hochgewachsener  Herr (schüchtern)  „Ja, aus Filderschtatt.“

Kleine, ältere Dame (begeistert) „Aus Filderstadt? Ich bin Stuttgarterin!“

(Lächelnder,  stummer Blickwechsel)

Alter, hochgewachsener Herr (strahlend) „I winsch Ihne no a guate Zeit…“

Kleine, ältere Dame (strahlend) „Ihnen abber auch…“

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Rosaa will

Mittwoch, 18. November 2009 21:38

Blätterte in Blogs und las bei Madame Klutze & Co und bei  Sterntau, dass ein neues Stöckchen im Umlauf ist. Ich nehme an, dass ein Stöckchen ein Fundstück ist ….

Ich gab meinen Namen ohne das zweite „a“ ein und tippte anstatt braucht  – will.

Hier meine acht Treffer.

Rosa Ahorn will einfach nicht! -Pflanzenkrankheiten & Schädlinge.

Mit Ahorn hatte ich schon immer Probleme, da sitzt stets diese Krähe mit labbrigen Würmern im Schnabel drunter und guckt mich lauernd an.

Rosa will die Enge aus dem Hals treiben, die den Körper so schwach macht.

Genau, das gelingt mir nie, deswegen trage ich auch keine engen Rollkragenpullover.

Rosa will unbedingt ein rosa Klapphandy.

Falsch! Ich mag mein altes schweres Fossilhandy, das ich nicht benutze.

Ich will Lärm Ich will die Ohren voll. Ich finde Krach so toll. Ich will Lärm Ich will Lärm Ich will Lärm

Zu dieser Aussage werde ich den Mitringer befragen.

Jalousien Rosa. 23,95 € zzgl. Versand: 4,90 € …

Das ist ein wahres Schnäppchen, wenn ich an die horrenden Preise unserer Jalousien denke, sehe ich rot.

Rosa will take you somewhere you’ve never been before.

Oha, wohin könnte ich diejenige bzw. denjenigen bringen?

a) Senfladen

b) Waschküche meiner Nachbarn

c) Imbiss, der Bitterballen anbietet.

d) Zum öffentlichen Pranger in B.

e) In die Bredouille


Die Ohrstecker sind circa 1.3 cm (0.5 inch) hoch und breit.

Das geht mir nun doch zu weit, wieso schmäht mich Google, nur weil mir einmal der Ohrring abhanden kam.

Und die achte Nachricht setzt allem die Krone auf, das ist eine Verletzung meiner Intimsphäre, da hat irgend so ein Klatschreporter sich nicht zurückhalten können.

Anlässlich der Seligsprechung von Mutter Rosa, in deren Orden sie mit 19 Jahren eingetreten ist.

P.S.:

Rosaa, Psalter 1, Vers 11:

Wollen ist einfach Haschen nach Aufmerksamkeit.

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Im Kreuz…

Montag, 16. November 2009 22:17

Eine liebe Freundin schickte mir wundervolle Ohrringe aus Vulkangestein. Aus Ischia schrieb sie dazu. Also, wer sonst ausser mir hat eine generöse Freundin, die zwar keine akute Ischialgie hat, aber trotzdem jeden Sommer nach Ischia fährt, um dort für mich herrlichen Schmuck zu erwerben!?

Ich steckte das Vulkangestein natürlich sofort in die Ohrläppchen und fand, daß sie meine Ohren vulkanmäßig wild erscheinen lassen. Am Abend legte ich sie ab,  neben die geerbten Bernsteinclips von Tante Meta.

Am Morgen fehlte ein Ohrring, weg, einfach weg, bloß wo? Beim Suchen und mühsamen Bücken (mein armes Kreuz) entdeckte ich rein zufällig einen alten Zettel von mir. So im Sinne “aus dem Leben einer kleinen Landfrau”.

Jo, jo,

schau Einödbauer, i hob heid Dein silbern’s Kreuzl umglegt, weil’s morgen unser Jahresdog isd, als du mir auf  d‘ Nacht im Stall dein Edelweiß vom Silberkogl – der Zenzi, der klepprigen Kuh umgebunden hosd.

Z‘ scheu warst, es mir selbst um den Hals zu legen.

Z‘ scheu warst wegen dem Gered der Leit und deinem olden Vatter, der jetzd schon, der Herrgott hob ihn sölig, auf dem Gottesanger liegt, ganz nah beim Flösser Schorsch, der von der damischen Eich‘ derschlogn wordn is.

…ach, der Schorschi, der hod so an Silberblick ghobt aus lauter Liab zu mir, deswegen hod er ned gsehn, dass die olde Eich‘  so an damischen Linksdreher gmocht hod. Es ist scho a Kreiz mit dem richtigen Sehen, wenn ma koa gscheide Brillen vom Fielmann hod.

Des Kreuzerl, Einödbauer, des riacht so guat, wenn ich am Obend das Mieder ableg. In meinem winzigklaanen Kammerl, dann denk i alliweil, wie dös wär.

Wie dös wär, wenn Du zu mir sogn dätst „Du herziges Magderl, jomei,  Roserl, du bist mir ned zwider, i bin der Deinige, hier lieg i – mit meine Zweiödn!

Konnst mi ruhig kreuzign. I hoff schwer, du wuillst mi.

So sog scho  jo!“

Danach guckte ich ein wenig  “Bauer sucht Frau“. Ein unwiderstehlicher Drang, nein-nein keine Überheblichkeit, ein tiefes Mitgefühl für die armen ledigen Bauernsöhne  zwingt mich diese Sendung einzuschalten.

Komm gehen wir zum Rosenkranz“ sagte mit heiligem Ernst  der katholische Milchbauer Josef aus dem Chiemgau zu der 44-jährigen buddhistischen Thailänderin .  (In der letzten Folge hatte er ihr gestanden,  dass er sich für sie entschieden habe und ihre Kokurrentin, die Hessin Michaela aus dem Rennen sei).

In der kleinen Kapelle angekommen weist der fromme Milchbauer der herzigen Narumol den Sitzplatz zu – auf der anderen Seite, denn in dem Dorfkircherl sitzen Frauen und Männer getrennt. Nach dem Sonntagsgottesdienst wird die 44-jährige Thailänderin den wenigen übrigen Kircherlbesuchern  vorgestellt.

Milchbauer Josef ungelenk „das ist der Engelbert“. Narumol ebenso ungelenk „ach, der Alibert …“.

Josef überrascht danach seine Narumol mit einer Seilbahnfahrt.  Die sympathische Narumol leidet unter Höhenangst und flüstert mit geschlossenen Schlitzaugen “ich bin fick und fertig”.

Ja, ja ich auch. So eine anständige Brotzeit, so ein weisses Semmerl mit einem Wurschterl und einem Senferl und einem Papierservietterl – das fehlte mir jetzt noch auf die Nacht.

Schlaft wohl auf Euren rückenfreundlichen Schlaraffiamatratzen, ja?

;>

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Mh -

Donnerstag, 12. November 2009 22:54

Herr Enke, ein Fußballer hat seinem Leben ein Ende gesetzt.

Statistisch gesehen  passiert so ein Unglück  genau dreimal pro Tag, dass sich ein verzweifelter Mensch vor den Zug wirft.

Betroffene Lokführer berichten darüber, z.B. wie eben  im WDR wie das ist, wenn sie als Zugführer ihre Strecke fahren, und dann plötzlich ein Mensch sich so plötzlich, unerwartet  vor ihren Zug …

„The Times“ brachte als Aufmacherfoto auf Seite eins ein Bild der Enke-Witwe Teresa.Überschrift: „Manchmal reicht Liebe nicht aus“.

In Italien titelte der Corriere della sera: „Deutschland unter Schock nach dem Selbstmord von Enke. Der Abschiedsbrief im Schwarzen Herbst der gefallenen Helden.“

Eine Schweigeminute für Robert Enke werden die U21-Teams aus Deutschland und Nordirland vor ihrem EM-Qualispiel einlegen. Zudem spielt das DFB-Team in Belfast mit Trauerflor.

Die Presse schreibt „Zehntausende Fans zur Trauerfeier für Nationaltorhüter Enke erwartet“.

Wer war Herr Enke, habe ich da was verschlafen? Ich interessiere mich nicht so für Fußball. Also googlete ich zögerlich und gab „Enke“ ein.

Auf seiner Internet-Seite steht auf schwarzem Untergrund:

Wir trauern um Robert.

Darunter in roter Schrift „In das Kondolenzbuch eintragen“.

Mich verwundert diese  Nationaltrauer, die Fahnen quasi auf Halbmast, als ob der gute Dalai Lama -  toi-toi-toi. – nein, versteht mich nicht falsch.

Da waren doch schon andere vor ihm, die es im Diesseits nicht mehr aushielten.

Dimitri De Fauw (November 2009): Der belgische Radprofi (28) nimmt sich unter noch nicht geklärten Umständen das Leben. Seit einem Unfall 2006 soll er unter Depressionen gelitten haben.

Adam Ledwon (Juni 2008): Bayer Leverkusens früherer Mittelfeldspieler (34) begeht während der Fußball-EM 2008 Selbstmord.

Edgar Geenen (Sep. 2007): Der frühere 1860-Manager (53) erhängt sich in seiner Wohnung.

Sergi Lopez (November 2006): Der ehemalige Fußball-Star (39) des FC Barcelona wirft sich vor einen Zug.

Marco Pantani (Februar 2004): Italiens Rad-Idol stirbt im Alter von 34 Jahren an einer Überdosis Kokain. Der Tour-de-France- und Giro-d’Italia-Sieger von 1998 litt nach mehreren Dopingprozessen an Depressionen.

Guido Erhard (Februar 2002): Der frühere Bundesliga-Profi (32, 1860 München) wirft sich in Offenbach vor einen ICE.

Justin Fashanu (Mai 1998): In einer Garage erhängt sich der englische Fußballer (37), der sich 1990 als erster Profi als homosexuell outete.

Ramiro Castillo (Okt. 1997): Boliviens Fußballstar erhängt sich in seiner Wohnung. Nach dem Tod seines neunjährigen Sohnes litt er unter Depressionen.

Hubert Schöll (November 1992): Der frühere HSV-Profi (46) erschießt sich auf einem Kinderspielplatz in Fürth. Schulden trieben ihn in den Tod.

Ich schreib jetzt nichts mehr zu diesem Thema, anscheinend sind  Sportler besonders gefährdet. Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Doch eins noch.

Wer betrauert öffentlich die tapferen  Ex-Mitarbeiter von Quelle, von Opel, von Märklin, von Hohner, die ja auch irgendwie im Tor standen, und aufgefangen und abgewehrt haben und den ganzen Scheiss des Niedergangs fast klaglos  erleben wie Bambi, das zusehen mußte, wie seine liebe Mutti mit ihren treuen Audrey-Hepburn-Augen im Gegenlicht starb…?

Ist da jemand?

Ich geh jetzt schlafen.

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Gestern, der 11.11.

Donnerstag, 12. November 2009 19:12

Er schon wieder, der Karnevalsbeginn.

Die Düsseldorfer wählten „Jeck – we can“ als ihr Motto, die Kölner „In Kölle jebützt”. Ab jetzt wird wieder jeschunkelt, jebützt und jehätzleevjet, dass die Schwarte kracht.

Was meint Ihr, sollen wir uns zusammentun und uns en gros hygienische Schweinemasken besorgen, damit wir janz jeschützt bützen können? Eine Porcus influenza wünsche ich nicht einmal einer Krähe an den Hals.

Eine Bekannte, gebürtige Rheinländerin, überzeugte FKK’lerin, das ganze Jahr über knackigbraun im Gesicht (wo sonst noch, darüber will ich hier lieber nicht spekulieren) fegte heute bei + 7° C verdorrte Kastanienblätter fein säuberlich vom Gehweg. Bekleidet war Frau S. lediglich mit einem knielangen Sommer-T-Shirt. ihre bloßen Füße steckten in silberfarbenen Ballerinas.

Sie stellte ihren Besen ab und erzählte mir mit geröteten Wangen, dass im Februar 2010 in Pori ein Naturistikkarnevalii gefeiert werden soll, pudelnackt. Wer mag, könne am Kostümierungswettbewerb teilnehmen und sich zum Beispiel eine Pappnase oder ein flottes Filzhütchen aufsetzen.

Pori wäre zwar nicht um die Ecke wie Düsseldorf – sondern läge in Finnland, aber das wäre kein Brasel, denn wozu hätten sie sich schließlich das teure Wohnmobil angeschafft? Ihr Heinz, der fuule Kis, läge bei diesem Rähnwedder sowieso nur auf der Couch bzw. unter der Höhensonne, luure depressiv an die Decke, knacke Erdnüssche und die Schale ließe er schlunzigst auf das gute, frisch verlegte Laminat fallen und  ihr Heinz hätte schon wieder 2 kg zogelegt nd das wär’ nit god für ihn, also nee, nee, er ….

Bei „er hat so ’ne hohe Druck, sin Kop rud wie e Karott“ schoß mir „Jeck – we can“ durch den Kopf.

Ich könnte Frau S. für die Pori-Tage meine neue Porcus influenza-Schweinemaske ausborgen. Selbige könnte sie auf ihrer geplanten Nacktwanderung am 25. April im Taunus nochmals aufsetzen. Und im Mai sowieso, da wandert Frau S. mit Heinz im Harz.

Oder verstand ich sie falsch? Meinte sie auf kölsch „im Mai mit Hätz“?

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