Beiträge vom Mai, 2010

Erinnerungen an Station 3B

Samstag, 15. Mai 2010 18:22

Ärztin: “Gratuliere, nun ist er raus! Er war eitrig und ist geplatzt…”

Schwester 1 “Sie bekommen jetzt täglich 6 Infusionen, nur ein kleiner Piekser in die Vene & dann noch die schönen weißen Emboliestrümpfe…”

Arzt: 1 (Ca. 2, m groß, macht einen Diener, murmelt ernst) “Ich habe Sie operiert. Sie hatten großes Glück, vor hundert Jahren wären Sie daran mit Sicherheit gestorben…”
Patientin: (hocherfreut) “Ach, SIE waren das, Sie haben mich gerettet… herzlichen Dank, dann kann ich ja in zwei Tagen hier wieder raus!”

Arzt 1: (entsetzt) “Frau Rosaa! Nein, Sie bleiben noch … brauchen noch sehr viel Geduld … großflächige Bauchfellentzündung … lebensbedrohlich… jetzt nur ein kleiner Piekser… in welchen Arm hätten Sie ihn gern?”

Schwester 2: “Sie haben Papiervenen, ich finde keine Stelle mehr!”

Jugoslawische Schwester “Bewegen Sie sich mit dem Infusionsständer auf dem Flur, trainieren Sie! Es hätte noch viel  schlimmer kommen können, denken wir doch an unsere armen Mütter, die nach einer Geburt sofort wieder aufs Feld, mit schweren Wassereimern…”

Arzt 2 “Einfach ausruhen, nicht herumlaufen, einfach liegen bleiben, nehmen Sie Ihre Ringe sofort ab, nicht dass die Hand von den Infusionen anschwillt, denn dann müsste ich Ihnen die Ringe durchtrennen!”

Ukrainische Putzfrau (beide Unterarme dick mit weissenMullbinden zugewickelt, stößt  energisch, fast zornig  mit nassem Schrubber heftig gegen Bett und Nachttisch) “Diese neumodische Fußbode macht mich färtig, meine Arme kaputt vom viele Wische, ich kann bald nicht mehr.. tschüss, alles Gutä…”

Patientin (schreckt aus Halbschlaf auf, versteckt ihre blauschwarzen Unterarme samt Infusion unterm Zudeck) “Danke, auch alles Gute für Sie, tschüss.”

Arzt 1, 2, 3, 4 plus 2 Schwestern im Halbkreis ums Bett versammelt  “Hallo, haben wir Sie geweckt, dürfen wir Ihren Bauch ansehen?”

Patientin: (erinnert  sich an das Kinderlied “Zwei zu meinen Häupten, zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken, rafft eilig ihr Nachthemd hoch, zeigt ihren Bauch mit den drei Schusswunden,  wispert scheu: “Ach, die weisse Flotte, so viele Menschen, das ist ja… fühle mich wie die Königinmutter.”

Arzt 1 und 4 (tasten und drücken abwechselnd) “… Bauch so groß wie ein Medizinball… 6 – 7 l Spülung sind da durch… Sie hatten Mordsglück, Frau Rosaa! Bleiben Sie bitte so rosig wie Ihr Name… der Drainagebeutel ist immer noch trüb vom Eiter… hatten Sie Verdauung? … Nein? Das ist nicht gut, hatten Sie wenigstens einleitende abgängige Winde?”

Patientin: (verlegen) Nein, ich traute mich nicht, das ist mir mh  peinlich…”
Arzt 2: “WIR sind hier im Krankenhaus nicht auf einer Schönheitsfarm! Sie müssen, Sie sollen Winde ablassen, PUPSEN Sie um Himmelswillen! Das macht gesund, das ist allzu menschlich!”

Arzt 1 (einfühlsam-diskret) “Sie könnten ja auf dem Flur ein wenig auf und abgehen – bzw. – jetzt fällt mir was Schönes für Sie ein! Pfleger Martin wird sie begleiten. Martin bringt sie drei Etagen im Fahrstuhl runter und dort können Sie mit ihm eine rauchen, so ein Zigarettchen bewirkt belebend, wirkt Wunder!”

Patientin (schwach widersprechend) “Mir wird neuerdings übel vom Rauchen, ich möchte gar nichts, nur ein wenig hier sitz… – nein, ein wenig herumliegen”.

Arzt 1, 2, 3 & 4 (brechen in lautstarkes Lachen aus) LORIOT! Dann liegen Sie halt einfach ein wenig rum. Essen müssen Sie aber auch, Sie sind so zart wie Ihre zarten Venen, Frau Rosaa… aber ein harter Knochen…”

Patientin rappelt sich auf, lacht leicht hysterisch, fährt 3 Etagen tiefer, inhaliert zwei Züge vor der Ambulanz im Freien, sinkt fix & fertig in einen freien Rollstuhl (Handgeschriebenes Schildchen an der Lehne: Ich gehöre zur Gynäkologie, wer mich findet, möge mich netterweise in meine Heimat bringen, 2. Stock Gynäkologie)

Der blutjunge Pfleger Martin fährt kreidebleich die kreidebleiche Patientin nicht in die Gynäkologie, sondern drei Etagen höher zum Zimmer ganz hinten rechts.

Schwester aus Sachsen: (Äugt interessiert aus ihrem Glaskasten, kommentiert  trocken) “Ei nü, gudster Mattin, wen gutschierst du denn da herum? Die Frau Rosaa! Nu iss se doch zusammgeglabbt, hab isch doch glaisch gesagt, dass die Kleene im Erdgeschoß zusammenglabben wird!”

Patientin (beschämt) “Meine Knöchel schmerzen, sind so dick wie bei einem Wasserbüffel.”

Jugoslawische Schwester: “Jessusch Maria, sind die dick, Jessusch, wer hat Ihnen die Strümpfe angezogen, wer? Zwei Nummern zu groß, außerdem verkehrt rum, das druckt die ganze arme Beine zusammen, macht Venenstau und Elefantenfuß… ich hole Größe S.”

Indische Schwester (salbungsvoll) “Katholike Pfarra isse heut im Haus, heute Mut der Tag, Sonntag, er kann Ihnen Heilige Kommunika… Kommuniohn geben… Sie sind doch Katholiek?”.

Patientin: (schreckt ängstlich hoch) Bitte was? Heilige Kommunion, wozu, mir geht’s doch  gut, bin nicht katholisch… also eher mehr evangelisch mit … buddhistischem Einschlag … ein Gemisch… ich weiß nicht … oder so …”

Indische Schwester (grinst breit) “Ob Katholiek – Buddhiste – Evangelische-  Muslim..  ist ihm doch egal, ER liebt alle…”

Es klopft an der Tür, es ist nicht der katholische Pfarrer, sondern eine gutgelaunte  Frau, die sich lächelnd vorstellt “Ich bin das BISTRO, womit kann ich dienen… ich habe Prinzenrollen, Espresso, Tempos, Erfrischungsgetränke und die neuesten Illustrierten …”

Patientin (erschöpft lächelnd) “Nein, danke, heute bitte noch nichts, ich möchte einfach ein wenig liegen …”

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Station 3B, letztes Zimmer, ganz rechts

Mittwoch, 12. Mai 2010 11:27

… in dem Bergsteigerdrama “Sturz ins Leere” ging dem Hauptdarsteller immer wieder  Bonnie M.’s “Brown girl in the rain” durch den Kopf.

Mich verfolgte der Schlager  “Aber dich gibt’s nur einmal für mich
- vor allem der Refrain “~~~schon der Gedanke dass ich dich einmal verlieren könnt, dass dich ein andrer Mann einmal sein eigen nennt…”

Ich widme diesen Blinddarmtext lächelnd meinen vorzüglichen Chirurgen Dr.med. A. & Dr.med.R.!

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