Beiträge vom August, 2010

Mein Friseur…

Dienstag, 31. August 2010 20:38

… heißt CharlyZwo. CharlyEins wirkt im Hintergrund. Sortiert die Haarpflegemittel, fegt  abgeschnittene Haare diskret weg, serviert Espresso mit einem kleinen Keks oder Mineralwasser, medium. CharlyEins trägt kein Pferdehalfter mit Kämmen und Scheren um die Hüften.

CharlyZwo ist etwas untersetzt, um seine schmalen Hüften eine Art Pferdehalfter in dem unzählige Kämme und Scheren stecken, CharlyZwo ist sexy.
CharlyZwo würde nie Törichtes von sich geben wie zum Beispiel
“Ich sag Ihnen was, ein Aschblond mit einem Stich ins Zimtfarbene würde Ihre Augenbrauen betonen.”

CharlyZwo schweigt. Schon seit 15 Minuten.

“Wievielen Kunden bzw.  Menschen  haben Sie schon die Haare geschnitten, Herr Charly?”

(Charly Zwo schneidet weiter, stumm, sein Pferdehalfter zuckt unmerklich, seine Scheren klappern sexy).

“Herr Charly, hat Sie danach noch nie jemand gefragt, oder – bin ich Ihnen etwa zu nahe getreten?”

(CharlyZwo blickt angestrengt an seine in smarter Wischtechnik umbrafarbene Decke) … vor 16 Jahren habe ich meine Lehre begonnen, dann war ich in London, danach in Elle-Ey. Also bei 200 Arbeitstagen, was etwas zu viel ist, da ist ja noch Urlaub, Weihnachten, vielleicht ‘ne kleine Grippe – CharlyEins, mach mir mal ne extraschaumige Latte, bitte…”

“Irgendwas war immer. Das macht – - – tausend, nein, falsch, bin ich denn rechenschwach, zehn, manchmal nur acht. Vor Weihnachten zwölf, oder so.  Das macht – Moment – - –

(CharlyZwo lässt mich mit umbrafarbenem Trauertuch um die Schultern sitzen, die weisse Krepp-Papierrosette um den Hals würgt, die neueste “Parc Avenue” fällt von meinen Knien auf den umbrafarbenen Steinboden.
Steinalt fühle ich mich. CharlyZwo hat vor 16 Jahren seine Lehre begonnnen.,
CharlyZwo könnte fast mein Sohn sein – -  -  aus der Teeküche klickern energische Tippgeräusche. Was macht CharlyZwo mit einem Taschenrechner?

CharlyZwo kehrt mit beflügeltem Schritt zu mir zurück, streicht sich spielerisch durchs Haar, dann gedankenverloren durch meine nassen Haare, ruckelt versonnen sein Pferdehalfter auf sein Gemächt, verkündet strahlend

Also, jetzt hab ich’s.
Vor 16 Jahren angefangen, 200 Arbeitstage, 10 Kunden am Tag, macht ca. 40.000 Leute!”

“Wow, eine Kleinstadt!”

“Ja, jepp!”

(CharlyZwo schlürft gierig den Schaum seiner Latte).

“Wenn ich mir das vorstelle, alle Geschnittenen – auf einmal – beisammen!”.

“Ja, ein SUPI-Event!”
(versonnen in sich reinlächelnd, sein Pferdehalfter flüchtig streichelnd)

“Was glauben Sie, wie lange DIE alle warten müssten, um noch einmal von Ihnen die Haare geschnitten zu bekommen, ich darf doch Charly sagen? (räuspernd)

Ich weiß nicht, nein, nicht wirklich, in Mathe war ich eigentlich wirklich nicht so die Leuchte oder so.”.
(CharlyZwo gedankenverloren)

“Welche Haarfarbe ist denn die Häufigste?”

“Naturfarbe oder gefärbt?”

“Egal, ich würde es gerne wissen, nur so…”.

Aschblond bis dunkelblond. Blondinen, meistens Blondinen!”
(Augen wie ein sibirischer Schlittenhund vor dem Polarlicht zusammenkneifend)

Zwei benachbarte Frauen, rechts die mit riesigen rosafarbenen Haftlockenwicklern, links die mit auf Alufolie gelegten Strähnchen lauschen gebannt. Gemeinschaftsgefühl. Wir drei mit unseren umbrafarbenen Trauerumhängen um den Hals haben allesamt dunkelbraune Naturhaare!
Parias? – Ausgestoßene! Weder asch- noch dunkelblond.

CharlyEins
(von hinten – aus der Teeküche, mit weinerlicher Stimme)

“Du, Meister, der neue Espressoautomat ist schon wieder verstopft, der l’Oreal Vertreter nervt, Nanette ist auf Fortbildung…”
CharlyZwo lässt selbstgefällig seinen ovalen Spiegel um meine hintere Nackenlinie gleiten. Sein meisterliches Werk, seine Schnitt-Technik aus London, aus L.A.

Ich reisse mir erschöpft den umbrafarbenenen Designer-Umhang ab. Das Geräusch erinnert mich schwer an Pamper’s.

In 4 1/2 Wochen bin ich wieder bei CharlyZwo…

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Unser lieber Nachbar…

Sonntag, 29. August 2010 20:17

ist heute lautlos ausgezogen.

Vormittags klingelte ein fremder, schwarzer Mann und fragte scheu “wo der Umzug denn stattfinde”. Ich deutete stumm nach hinten, sah den parkenden Umzugs-LkW und zog energisch unsere Vorhänge zu.

Am Abend betrachtete ich das kleine, verlassene Biotop des Lieblingsnachbarn, “Next door to Alice” ging mir durch den Kopf.

Ich verabscheue Abschiede, Abschiede machen mich immer wieder so traurig. Der Mitringer und ich wünschen unserem Nachbarn nur das Allerbeste am neuen Wohnort…

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Die Streiche meiner Landsleute…

Mittwoch, 25. August 2010 18:33

Streich 1:

Der Protest gegen das auf  geschätzte 4 Milliarden teure Bahnprojekt Stuttgart 21 soll nun auch den Atlantik überspringen. Wie das Bündnis gegen das Milliarden-Vorhaben am Dienstag mitteilte, wird Volker Lösch, Mitglied der künstlerischen Leitung des Schauspielhauses in Stuttgart, den ersten Schwabenstreich in Übersee veranstalten. Gemeinsam mit erwarteten 20 bis 50 Freunden und Bekannten der Demonstranten im Schwabenland wolle er an diesem Mittwoch gegen 19 Uhr auf dem Times Square mit Tröten, Topfdeckeln und Schnarren gegen das Vorhaben anlärmen, sagte ein Sprecher der Initiative.

Anmerkung: Na ja, der Schwabe an sich neigt zur Sparsamkeit und benutzt heimische Topfdeckel und Schnarren vom Fasching anstatt teurer Vuvuzuelas.

Streich 2:

Die Stuttgarter Abkratzprämie
Anmerkung: Erleichterung, der Schwabe ist doch ein großzügiger Mensch!

Streich 3:

Schwaben legen ein Gelöbnis ab
Anmerkung:  Hach, den in der zweiten Reihe stehenden, Arme verschränkenden, schwarzgekleideten, langhaarigen, kaugummikauenden Schwaben kenne ich doch von irgendwo her…?

Herzlichen Dank an Frau Feinsinn, die mir diese brandneuen Links zukommen ließ!  ;>

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Ein Plastikeierbecher…

Freitag, 20. August 2010 20:22

namens eiPott soll umbenannt werden, da der jetzige Name mit dem “iPod” des Apple-Konzerns verwechselt werden kann und für einen Eierbecher unüblich sei. Der Eierbecher in verschiedenen bunten Farben kostet € 7,50.

Der Apple-Konzern erwirkte eine einstweilige Verfügung und das Hanseatische Oberlandesgericht  verfügte, dass die Herstellerfirma Koziol ihren eiPott umtaufen muss. Ansonsten droht der mittelständischen Firma Koziol eine Ordnungsstrafe für nen Appel und ein Ei -  nämlich eine Viertelmillion Euronen…

“Prösterchen, darauf trink ich einen Verpoorten” würde meine selige Lieblingstante Tante dazu lapidar knurren…

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Die Polizei, dein Freund und Helfer

Mittwoch, 18. August 2010 19:47

hat Humor!

Eine Cannabisplantage im Bereich des Mönchsees (Villingen-Schwenningen) wurde dieser Tage von den Beamten der zentralen Ermittlungs- und Fahndungseinheit der Kriminalpolizei abgeerntet. Rund 110 Cannabispflanzen ernteten die Beamten in der Nähe des Mönchsees ab.
Leider hatte sich während der Beobachtungsphase kein Verantwortlicher für die Bepflanzung gezeigt, so dass von den Ermittlern eine Strafanzeige gegen Unbekannt an die Staatsanwaltschaft vorgelegt werden muss.

Dieses Hinweisschild an den unbekannten “Gärtner” platzierten die Beamten an der Stelle wo kurz zuvor noch rund 110 Cannabispflanzen wuchsen.  Die Pflanzen werden an das Landeskriminalamt weitergegeben und dort vernichtet.

So weit so gut, Ordnung muß sein. Ich grüble nun über die Art der Vernichtung

a) Verbrennung auf einem Scheiterhaufen im Beisein der Bevölkerung

b) Kompostierung im Garten des LKA

c) Vernichtung in kleine Schnipsel  im hauseigenen Aktenvernichter

d) Oder als Rauchzeichen für die schwäbischen Kollegen, die nichts verkommen lassen?

;>


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Das kleine Blaue…

Montag, 16. August 2010 20:22

trägt Mike Winnemuth ein ganzes Jahr lang.

Dolle Idee, so ein Kleid muß her, denn  ich trage hauptsächlich Jeans in einem matten verwaschenen Goldgräberjeansblau mit einem winzigkleinen Stich ins Mausgrau, nein – eher Aschgrau bzw. Staubgrau – also eher ein frivoles frisches Steingrau mit kühnem anthrazitschwarzen Oberteilen mit Dreiviertelarm, dann wieder mal rabenschwarze Wollpullover mit langem Arm. Manchmal stecke ich mir bei familiären Anlässen Perlohrringe in einem matten Roséton ins Ohr, bei traurigen Anlässen wähle ich natürlich frischgewaschene, schwarze Jeans ohne Schnickschnack-Beiwerk.

Apropos  traurig.

Der Titel “Der wunderbare Massenselbstmord” des Finnen Arto Paasilinna (ich hege eine große Liebe zu den Finnen) täuscht nicht – ist eines der Bücher das ich empfehlen würde (falls man mich denn je fragen würde) – was man zur Lebensaufmunterung lesen könne, da man sich gerade tieftraurig wie ein Finne bzw. Finnin fühle, bleischwer, in blauen Kleidern oder den ewig gleichen Hosen…

;>

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Linkshändertag…

Freitag, 13. August 2010 20:20

las ich heute und dachte es wäre eine Kleinstadt in Finnland.

Nein,  der internationale Linkshändertag wurde am Freitag, den 13. August 1976 von dem Amerikaner Dean Campbell ins Leben gerufen, um die Interessen und Belange der Linkshänder für die Gesellschaft aufzuzeigen. Mit diesem Datum wollte er auf die Vorurteile gegenüber Linkshändern hinweisen und darauf, dass diese unbegründet sind und Linkshänder zu sein genauso wenig ein schlechtes Vorzeichen ist wie das Datum Freitag, der 13.

Ich bin Rechtshänderin und beneide die Linkshänder(innen) – alles so einfach mit links zu machen …

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Lieblingssketch…

Donnerstag, 12. August 2010 20:53

eine Lesung.

Anmerkung: Bei Lesungen sind immer viel mehr Frauen als Männer anwesend. Und meistens riecht es nassen Regenschirmen. Und meistens hat man das Regal mit den philosophischen Werken im Rücken. Meistens nimmt der Autor unendliche Wassermengen zu sich…

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